Davide Sposato bekam früh die Chance, zu zeigen, was er kann. Seinen Weg prägten Menschen, die an ihn glaubten und ihm den nötigen Freiraum für seine Entwicklung gaben. Aus dem KV-Lernenden wurde ein Praktikant, aus dem Praktikanten ein Geschäftsführer – heute ist er Unternehmer.

Ein Beitrag aus der Blogserie «Mein Weg: Karrieren mit KV- und Detailhandelslehre».

In Kürze

  • Die KV-Lehre vermittelte Davide Sposato strukturiertes Arbeiten, Pflichtbewusstsein und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen.
  • Vertrauen und Freiraum ermöglichten ihm, früh Verantwortung zu übernehmen – vom Praktikanten bis zur operativen Leitung eines Unternehmens.
  • Mit seiner Frau gründete er die Work-in AG. Beim Aufbau ihrer Co-Working-Standorte waren Hartnäckigkeit, persönliche Kontakte und Überzeugungsarbeit entscheidend.

Bereits Anfang zwanzig führte er Mitarbeitende, begleitete neue Standorte und lenkte Marketing und Verkauf eines Start-ups. Sein damaliger Chef liess ihm freie Hand und vertraute ihm. Die Kehrseite davon: Aufgaben, die er ohne Anleitung oder bestehende Lösungsansätze umsetzen musste, nur mit dem Ziel als Vorgabe. Den Weg dahin musste er selbst finden. «Genau mein Ding!», sagt Davide Sposato lachend.

Dass es ihm liegt, Verantwortung zu übernehmen, wusste Sposato noch nicht, als er sich für eine KV-Lehre bei einem Produktionsbetrieb der Coop-Gruppe in Winterthur entschied. Einkauf, Verkauf, Buchhaltung – alle sechs Monate wechselte er die Abteilung. Eine spannende Zeit. «Im KV habe ich gelernt, strukturiert und organisiert zu arbeiten, pflichtbewusst zu sein und Prioritäten zu setzen.» Diese Arbeitsweise begleitet ihn bis heute.

So gut ihm die Ausbildung gefiel – in dieser Zeit träumte er von einer ganz anderen Karriere: Profifussballer zu werden. Er spielte bis zur U16 beim FC St. Gallen, später beim FC Winterthur. Mit 18 wurde klar, dass es nicht bis ganz nach oben reichen würde. Gut, hatte er sich noch einen Plan B offengehalten: Er arbeitete bei der SWICA im Backoffice und holte berufsbegleitend die Berufsmaturität nach.

Verantwortung im Schnellverfahren

Zahlen lagen ihm besonders, Management Accounting und Buchhaltung machten ihm Spass. Mit dem Ziel, dereinst bei einer Grossbank Karriere zu machen, studierte Sposato Banking and Finance an der ZHAW. Der Bewerbungsprozess verlief jedoch harziger als gedacht, weil ihm die klassische Banklehre fehlte.

Bei der Suche nach einem Nebenjob stiess er auf ein Praktikum bei einem Zürcher Company Builder – und landete schliesslich bei Bionic, einem Anbieter von Elektrostimulationstraining. Angenommen hatte er den Job zunächst vor allem, um neben dem Studium Geld zu verdienen. Doch die Arbeit gefiel ihm. «Ich hatte schnell sehr viel Freiheit, konnte Dinge selbst gestalten und eigene Ideen entwickeln.» Aus dem Praktikanten wurde ein fester Mitarbeiter. Dennoch wollte er sich alle Optionen offenhalten und hängte nach dem Bachelor ein Masterstudium in Accounting an.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Das Unternehmen expandierte, eröffnete Studios in Stockholm und Dallas und baute ein Franchisesystem auf. Sein Chef gründete parallel weitere Start-ups und übergab Sposato schliesslich die operative Verantwortung – mit 23. «Von mir aus kannst du dich COO nennen», habe sein Chef zu ihm gesagt. Doch der Titel interessierte Sposato weniger als das, was dahintersteckte: Personalentscheide und das Tagesgeschäft landeten auf seinem Tisch. Aus dem Freiraum für Ideen war echte Verantwortung geworden.

Und die hatte ihren Preis. Bionic wuchs schneller, als es die finanzielle Basis eigentlich erlaubte. Zeitweise fehlte der Cashflow, um die Löhne zu bezahlen. Seinen eigenen Lohn schob Sposato drei oder vier Monate auf. «Wir waren grössenwahnsinnig und mussten ständig Feuer löschen», sagt er rückblickend.

Warum nicht selbst ein Start-up gründen?

Sieben Jahre blieb er bei Bionic. «Eine intensive Zeit, in der ich viel ausprobieren, aber auch erfahren konnte, was nicht funktioniert.» Trotz unternehmerischer Verantwortung war Sposato nie am Unternehmen beteiligt. Mit Ende zwanzig wuchs der Wunsch, nicht nur mitzugestalten, sondern selbst zu bestimmen, wohin die Reise ging. Die Erfahrung dafür hatte er inzwischen. Nun fehlte noch die eigene Idee.

Aus seiner Zeit in Zürich kannte er das Konzept der Co-Working-Spaces und war überzeugt: Das funktioniert auch in der Ostschweiz, wo er zu Hause ist. Als er in Frauenfeld von einer passenden Liegenschaft erfuhr, entwickelte sich aus dem Gedanken ein konkretes Projekt. 2021 gründete er gemeinsam mit seiner heutigen Frau Lara van Krimpen die Work-in AG. Sposato fokussierte sich auf Finanzen und operative Leitung, van Krimpen kümmerte sich um Marketing und Verkauf.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Leicht war der Start nicht. Co-Working und Serviced-Offices (eine voll gemanagte Etage mit Privatbüros, Empfang und Service) waren in der Region noch nicht verbreitet. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung lag die Auslastung bei zehn Prozent. Sposato kannte solche Situationen von seinem früheren Job. «Aushalten und abwarten ist keine Option», sagt er. Also gingen die beiden in die Offensive, besuchten Gewerbeanlässe, knüpften Kontakte und erklärten ihr Angebot immer wieder neu.

Es brauchte Zeit. Präsenz. Persönliche Überzeugungsarbeit. Dann zogen erste Unternehmen ein und das Angebot sprach sich herum. Drei Jahre nach der Gründung eröffnete Work-in im Jahr 2024 einen weiteren Ableger. Heute arbeiten Start-ups, KMU und grössere Unternehmen an den beiden Work-in-Standorten in Frauenfeld und St. Gallen. Sposato freut sich über die Dynamik, die daraus entsteht: «Ich bin gespannt, welche Projekte und Ideen künftig in unseren Räumen ihren Ursprung haben werden.»

Autorin

Anina Rether, Journalistin und Senior Editor Corporate Publishing & Books bei Panta Rhei.