Von der KV-Lehre über die internationale Modelkarriere und den Aufbau des Zurich Film Festival bis hin zu Immobilien und Design: Nadja Schildknechts Laufbahn führt durch unterschiedlichste Welten. Was sie alle verbindet, ist Schildknechts Fähigkeit, sich Neues zu erschliessen.

Ein Beitrag aus der Blogserie «Mein Weg: Karrieren mit KV- und Detailhandelslehre».

In Kürze

  • Nadja Schildknechts Berufsweg führt von der KV-Lehre über das Modelbusiness und das Zurich Film Festival zu Immobilien und Design.
  • Neugier, Eigenverantwortung und Durchhaltewille prägen ihre beruflichen Neuanfänge.
  • Ihre kaufmännische Ausbildung vermittelte ihr wichtige Grundlagen, um etwas Eigenes aufzubauen.

Auf Nadja Schildknechts Handy finden sich aktuell vor allem Fotos von Baustellen, Häusern und architektonischen Details. Kein Wunder: Mit ihrer Firma NARA entwickelt sie Immobilien- und Designprojekte und gestaltet Räume vom Rohbau bis ins Detail. Entsprechend genau schaut sie hin. Eine gelungene Raumaufteilung: Klick. Ein besonderer Grundriss: Klick. Ein Baufehler: Klick. Bei einem neuen Projekt geht sie im Kopf durch Räume, die noch nicht gebaut sind, und tüftelt bis weit in die Nacht an Lösungen. «Wenn mich etwas interessiert, bin ich total fokussiert.»

Kleinunternehmerin im Modelbusiness

Ins Berufsleben startete Nadja Schildknecht mit einer KV-Lehre im Immobiliensektor. Kurz darauf wurde sie als Model entdeckt. Rund zehn Jahre lebte und arbeitete sie in verschiedenen Städten im Ausland. Die Begegnung mit anderen Kulturen und Lebensweisen erweiterte ihren Blick dafür, wie unterschiedlich Lebenswege verlaufen können. Gleichzeitig lernte sie früh, auf eigenen Beinen zu stehen. Als Selbstständigerwerbende verdiente sie ihr eigenes Geld und musste sich in einem hart umkämpften Umfeld behaupten. Geregelte Arbeitszeiten? – Spielten keine Rolle. Gearbeitet wurde, solange es nötig war. In dieser Zeit habe sie gelernt, sich durchzubeissen. Rückblickend sieht sie sich damals als Kleinunternehmerin in eigener Sache. «Ich lernte Eigenverantwortung und entwickelte das Selbstbewusstsein, nicht ständig nach links und rechts zu schauen, sondern weiterzugehen, wenn ich von etwas überzeugt war.»

Neustart in einer unbekannten Welt

Einen Schritt weitergehen. Das tat Schildknecht auch, als das Modelbusiness sie nicht mehr erfüllte. Und zwar einen grossen. In ein Gebiet, von dem sie kaum Ahnung hatte, das sie aber umso mehr faszinierte: 2005 gründete sie mit zwei Geschäftspartnern das Zurich Film Festival. Geradlinig verlief dieser Aufbau nicht. Im Gegenteil. Schildknecht hatte zuvor weder im Sponsoring noch im Marketing gearbeitet. Ihre Strategie: Disziplin, kreative Ideen, ein gutes Team und viel positive Energie. Als Geschäftsführerin verantwortete sie Finanzen, Marketing, Sponsoring und Events und musste grosse Geldsummen für das Festival auftreiben. «Immer wieder stiess ich an Grenzen und musste das Unmögliche möglich machen», sagt sie heute lachend. Doch gerade daraus hätten sich bisweilen neue und nicht selten bessere Lösungen ergeben. Geholfen hat ihr dabei ihr Durchhaltewille. Und ihre kaufmännische Ausbildung. Sie habe ihr den Umgang mit Zahlen, Verantwortung und Verbindlichkeit vermittelt – eine «wichtige Basis», um etwas von Grund auf aufzubauen. Sieben Tage die Woche, oft bis spät in die Nacht, habe sie damals gearbeitet. Das ZFF wurde im Laufe der folgenden 15 Jahre zu einem festen Bestandteil im internationalen Festivalkalender – und ihres Lebens.

Gehen, solange es bergauf geht

Nach 15 Jahren zog Schildknecht dennoch einen Schlussstrich. Der Aufbau des ZFF sei viel schwieriger gewesen als das Loslassen. Denn da war er wieder, jener Impuls, der sie schon früher weitergetrieben hatte: die Neugier auf etwas Neues.

Mit NARA Real Estate&Design AG widmet sie sich heute ihrer Leidenschaft für Architektur und Inneneinrichtung. Damit wagte sie sich erneut in ein Gebiet vor, das sie sich erst erschliessen musste. Der Weg dahin ist ihr vertraut: beobachten, lernen, sich fokussiert einarbeiten – und dabei immer neugierig bleiben.

Ganz verschwunden ist die Filmwelt aus ihrem Leben allerdings nicht. Film bleibt immer eine Leidenschaft: Und wenn sie heute durch ihre Foto-App scrollt, taucht zwischen all den Baustellenbildern auch immer wieder der eine oder andere Filmstar auf, den sie am ZFF empfangen hat.

Autorin

Anina Rether, Journalistin und Senior Editor Corporate Publishing & Books bei Panta Rhei.