Lernstress in der Ausbildung zeigt sich bei vielen Lernenden durch digitale Medien, Prüfungen und Hausaufgaben. Sie erleichtern die Kommunikation, das Lernen und die Organisation – können aber auch belasten. Vier Lernende berichten, was sie im digitalen Alltag am meisten stresst, wie sie sich zwischendurch digital entlasten und welche Wünsche sie an Schule, Lehrpersonen und Betriebe für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien haben.

In Kürze

  • Digitale Medien prägen den Schul- und Arbeitsalltag von Lernenden, können jedoch zunehmend zu Stress und Überforderung führen.
  • Hauptbelastungen sind ständige Erreichbarkeit, viele parallele Tools und fehlende digitale Pausen.
  • Lernende entlasten sich durch klare Offline-Zeiten, reduzierte Benachrichtigungen und bewusste Pausen.
  • Gewünscht sind klare Regeln zur Erreichbarkeit, weniger Plattformen und mehr Sensibilisierung für digitalen Stress durch Schule und Betrieb.

Leyna Käppeli: Mit Struktur gegen Stress im Schulalltag

Was stresst dich im Schul- und Arbeitsalltag am meisten und weshalb?

Eine grosse Umstellung sind die Hausaufgaben. Nach einem vollen Arbeitstag bleibt dafür deutlich weniger Zeit. Es gibt keine freien Nachmittage mehr, die man für Schulaufgaben nutzen könnte. Ebenfalls einschneidend ist der Wechsel von 13 auf fünf Wochen Ferien. Die Erholungsphasen fallen im Vergleich zur Schulzeit deutlich kürzer aus.

Welche Tipps oder persönlichen Strategien hast du für andere, damit sie sich zwischendurch digital entlasten und besser abschalten können?

Nach einem Arbeitstag am Bildschirm hilft es, das Smartphone bewusst zur Seite zu legen. Achte darauf, Ausgleich in deinen Alltag einzubauen – so bleiben Arbeit und Freizeit im Gleichgewicht.

Was wünschst du dir von der Schule, den Lehrpersonen oder dem Betrieb, damit ein gesunder Umgang mit digitalen Medien möglich ist?

Im Betrieb wünsche ich mir mehr Tipps und Erfahrungsaustausch. KI-Roboter sollten nur begrenzt eingesetzt werden. Statt sich Texte einfach schreiben zu lassen, könnte man sie selbst verfassen und danach korrigieren lassen – so lernt man wenigstens etwas dabei.

Ryan Moura Marques: Digitale Grenzen schaffen Balance

Was stresst dich im Schul- und Arbeitsalltag am meisten und weshalb?

Am meisten stressen mich die Vorbereitungen auf Tests. Da wir nur wenige Schultage pro Woche haben, kommt es oft vor, dass mehrere Prüfungen am gleichen Tag stattfinden. Das kann dann viel auf einmal sein und sorgt für zusätzlichen Druck.

Welche Tipps oder persönlichen Strategien hast du für andere, damit sie sich zwischendurch digital entlasten und besser abschalten können?

Es hilft, die Zeit gut einzuteilen und gleich nach dem Schultag einen Lernplan zu machen. So kannst du den Stoff über mehrere Tage verteilen, statt alles auf einmal zu lernen. Dadurch bleibt genug Zeit, um stressfrei abzuschalten und die Freizeit richtig zu geniessen.

Was wünschst du dir von der Schule, den Lehrpersonen oder dem Betrieb, damit ein gesunder Umgang mit digitalen Medien möglich ist?

In der Schule haben wir viel direkten Kontakt durch Gruppenarbeiten, Präsentationen oder auch einfach in den Pausen. Im Betrieb gefällt mir, dass es neben der Büroarbeit immer wieder Meetings, Aufträge und Veranstaltungen gibt, wo man mit anderen zusammenarbeitet.

Florian Mittelholzer: Erholung beginnt nach der Bildschirmzeit

Was stresst dich im Schul- und Arbeitsalltag am meisten und weshalb?

Ich habe gelernt, in jeder Situation einen klaren Kopf zu bewahren. Selbst unter Druck handle ich stets überlegt und konzentriert. Diese Fähigkeit hilft mir, Herausforderungen strukturiert anzugehen und lösungsorientiert zu bleiben. So kann ich auch in stressigen Momenten konstant gute Ergebnisse erzielen.

Welche Tipps oder persönlichen Strategien hast du für andere, damit sie sich zwischendurch digital entlasten und besser abschalten können?

Ich verbringe täglich viele Stunden vor dem Bildschirm, sei es privat, für die Schule oder geschäftlich. Sobald ich abends nach Hause komme, trage ich eine Blaulichtfilterbrille. 30 Minuten vor dem Schlafengehen lege ich das Handy beiseite, um meinen Körper optimal auf die Nachtruhe vorzubereiten.

Was wünschst du dir von der Schule, den Lehrpersonen oder dem Betrieb, damit ein gesunder Umgang mit digitalen Medien möglich ist?

Damit ein gesunder Umgang mit Medien möglich ist, wünsche ich mir eine starke Förderung von IT-Kursen. Dies insbesondere im Umgang mit den gängigen Office-365-Programmen.

Janina Parczewska: Verantwortungsvoller Einsatz digitaler Tools

Was stresst dich im Schul- und Arbeitsalltag am meisten und weshalb?

Grenzen zu ziehen, fällt schwer – gerade, weil man sich bewusst machen muss, dass man noch in der Ausbildung steht. Hinzu kommt die Unsicherheit im Zusammenhang mit der neuen Reform. Belastend ist vor allem, dass es oft Fragen gibt, die Lehrpersonen nicht beantworten können – sei es, weil die Informationen fehlen oder schlicht noch keine klaren Antworten existieren.

Welche Tipps oder persönlichen Strategien hast du für andere, damit sie sich zwischendurch digital entlasten und besser abschalten können?

Setze klare Grenzen zwischen Schule, Arbeit und Freizeit, um nicht ständig digital erreichbar oder im «Arbeitsmodus» zu sein. Mach dir bewusst, dass du noch in der Ausbildung bist. Es ist völlig normal, wenn noch nicht alles reibungslos klappt.

Was wünschst du dir von der Schule, den Lehrpersonen oder dem Betrieb, damit ein gesunder Umgang mit digitalen Medien möglich ist?

Wichtig ist für mich vor allem, dass ich von allen Seiten genügend Unterstützung bekomme, um Arbeit, Schule und Freizeit gut miteinander in Einklang zu bringen.

Digitale Balance beginnt im Alltag

Die Erfahrungen von Leyna, Ryan, Florian und Janina zeigen: Digitale Balance ist keine Theorie, sondern eine tägliche Entscheidung. Wer bewusst mit digitalen Medien umgeht, Pausen zulässt und Unterstützung annimmt, stärkt nicht nur seine Leistung, sondern auch sein Wohlbefinden. Schule und Betrieb können dabei viel bewirken, doch der erste Schritt beginnt bei der Person selbst.


Autor:innen

Leyna Käppeli, Kauffrau im 1. Lehrjahr
Ryan Moura Marques, Kaufmann im 1. Lehrjahr
Florian Mittelholzer, Kaufmann im 3. Lehrjahr
Janina Parczewska, Kauffrau im 3. Lehrjahr