Bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz müssen Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen handeln. Silvia Herranz Banz, Juristin beim Kaufmännischen Verband Zürich, informiert über den rechtlichen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.
In Kürze:
- Gesundheitsschutz schliesst auch psychische Belastungen wie ständige Erreichbarkeit oder Konflikte am Arbeitsplatz ein
- Klare Regeln, realistische Auslastung und Mediation helfen, Belastungen zu reduzieren
- Gesundheitsförderung steigert Zufriedenheit, Produktivität und Bindung der Mitarbeitenden
Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz umfasst die physische und psychische Integrität der Arbeitnehmenden. Von Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen kann beispielsweise verlangt werden, dass sie im Betrieb Massnahmen gegen Mobbing oder andere Formen der Belästigung ergreifen. Zum Schutz der psychosozialen Gesundheit der Arbeitnehmenden können Belastungs- und Pausenregelungen oder klare Kommunikationswege dienen. Überstunden, unklare Erwartungen und insbesondere sexuelle Belästigung oder Mobbing können hingegen psychische Erkrankungen bei Arbeitnehmenden auslösen beziehungsweise begünstigen.
Genau hinhören
Zur Prävention von gesundheitlichen Belastungen können beispielsweise die Evaluierung der Auslastung der Mitarbeitenden oder Kompensationsmöglichkeiten für Überstunden beitragen. Solche Massnahmen sind aber nur dann wirksam, wenn eine Überbelastung von Vorgesetzten nicht als Schwäche der Arbeitnehmenden interpretiert wird. Bei Mobbing kann auch eine Mediation zielführend sein.
Gesundheitsförderung nützt allen
In der Rechtsberatung begegnen wir immer wieder gesundheitlich belasteten Arbeitnehmenden, denen gekündigt wird, anstatt geeignete Massnahmen zu ergreifen, um die gesundheitlichen Belastungen zu reduzieren. Dies ist für beide Seiten keine befriedigende Lösung, insbesondere nicht für die betroffenen Arbeitnehmenden. Dadurch werden sie oft (noch) stärker traumatisiert, ohne dass die Arbeitgebenden die Ursache identifizieren und das Problem (auch längerfristig) beheben. Denn es gilt: Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen erhöhen die Produktivität, Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden. Dies führt letzten Endes zu verminderten Fehlzeiten im Unternehmen und fördert die Resilienz der Arbeitnehmenden.
Kommentare