Berufs- und Praxisbildner:innen prägen die Entwicklung von Lernenden wesentlich mit. Im Betrieb erleben diese täglich, ob ihre Fähigkeiten gesehen, Rückmeldungen konstruktiv formuliert und Entwicklungsschritte ermöglicht werden. So beeinflusst die Begleitung im Arbeitsalltag, wie Lernende Selbstwert aufbauen, Verantwortung übernehmen und Vertrauen in die eigene Wirksamkeit gewinnen.
In Kürze
- Wertschätzende Kommunikation und Anerkennung stärken den Selbstwert von Lernenden.
- Schrittweise übertragene Verantwortung und Erfolgserlebnisse fördern die Selbstwirksamkeit.
- Konstruktives Feedback, eine positive Fehlerkultur und Vorbildverhalten unterstützen die berufliche Entwicklung.
Selbstwert stärken
Lernende entwickeln ihre berufliche Identität Schritt für Schritt. Respektvolle Begegnungen, wertschätzende Kommunikation und echte Anerkennung helfen ihnen, sich als kompetent und akzeptiert zu erleben. Werden Leistungen wahrgenommen und konstruktiv gewürdigt, stärkt das den Selbstwert. Fehlende Unterstützung, pauschale Kritik oder respektloses Verhalten können ihn dagegen schwächen.
Selbstwirksamkeit fördern
Eng damit verbunden ist die Selbstwirksamkeit: die Überzeugung, Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie wächst vor allem durch Erfolgserlebnisse. Berufs- und Praxisbildner:innen schaffen dafür den Rahmen, indem sie passende Aufgaben übertragen, Lernende schrittweise an komplexere Tätigkeiten heranführen und ihnen Verantwortung übergeben.
Eine konstruktive Fehlerkultur schaffen
Dazu gehört auch eine konstruktive Fehlerkultur. Lernende brauchen die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, Neues auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen, ohne Abwertung befürchten zu müssen. Wer erlebt, dass Rückschläge Teil des Lernprozesses sind, nimmt Herausforderungen eher an und entwickelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Feedback als Entwicklungsinstrument
Regelmässige, differenzierte Rückmeldungen sind dabei zentral. Gutes Feedback fokussiert nicht nur auf Defizite, sondern macht Fortschritte, Stärken und nächste Entwicklungsschritte sichtbar. Ein konkretes «Feed Forward» unterstützt Lernende dabei, ihre Kompetenzen realistisch einzuschätzen und die nächsten Schritte motiviert anzugehen.
Berufs- und Praxisbildner:innen als Vorbilder
Berufs- und Praxisbildner:innen wirken zudem als Vorbilder. Ihr Umgang mit Druck, Fehlern und zwischenmenschlichen Situationen prägt die Lernenden. Ein wertschätzender, lösungsorientierter und unterstützender Führungsstil vermittelt Sicherheit und stärkt das Vertrauen in sich und die berufliche Zukunft.
Damit sind Berufs- und Praxisbildner:innen weit mehr als Wissensvermittler:innen. Sie begleiten Lernende in einer sensiblen Entwicklungsphase und beeinflussen Selbstwert und Selbstwirksamkeit massgeblich. Das verlangt emotionale Stabilität, Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wer selbst Sicherheit ausstrahlt, kann diese Haltung glaubwürdig weitergeben. Der bewusste Umgang mit den eigenen Ressourcen, kontinuierliche Weiterbildung und der Austausch mit Gleichgesinnten bilden deshalb eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildungstätigkeit.
Autorin

Vera Class, MAS Wirtschaftspsychologie FHNW, eidg. dipl. Kommunikationsleiterin, eidg. FA Ausbildnerin, ist Berufsbildungsexpertin und leitet die nationale Fachgruppe wbp – Wir Berufs- und Praxisbildner:innen.
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