Benjamin Wetter wählte jeweils den Anschluss, der direkt erreichbar schien und viele Möglichkeiten offenhielt. Vom Sportgeschäft führte ihn dieser Pragmatismus zurück ins Klassenzimmer. Heute ist er Prorektor an der Wirtschaftsschule KV Zürich (WKVZ).

Ein Beitrag aus der Blogserie «Mein Weg: Karrieren mit KV- und Detailhandelslehre».

In Kürze

  • Benjamin Wetters Berufsweg führt von der Detailhandelslehre über weitere Bildungsabschlüsse zurück ins Klassenzimmer.
  • Statt einen festen Karriereplan zu verfolgen, wählte er jeweils den nächsten erreichbaren Schritt
  • Als Prorektor an einer Berufsschule zeigt er Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten des Schweizer Bildungssystems auf.

«Studieren ist nichts für mich. Ich möchte arbeiten.» Benjamin Wetter erinnert sich an die Aussage eines ehemaligen Schülers, der die BM1 am KV abgebrochen hatte, anschliessend nach der Lehre dennoch die BM2 und anschliessend die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene absolvierte. Kürzlich begegneten sich die beiden zufällig. «Inzwischen studiert er Maschinenbau an der ETH Zürich und hat damit mit der wertvollen Basis einer Berufslehre einen völlig neuen Weg eingeschlagen. Er ist der lebende Beweis für die Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems. Darin erkenne ich mich ein Stück weit wieder.»

Der naheliegendste Schritt

Mit 16 wollte Wetter vor allem eines: arbeiten und etwas Praktisches machen. Er begann eine Detailhandelslehre in einem Sportgeschäft. Die Arbeit gefiel ihm sehr, trotzdem war ihm schon am ersten Tag klar, «dass ich das nicht mein ganzes Leben machen würde». Doch welchen Berufsweg er einschlagen sollte, wusste Wetter nicht – und es störte ihn auch nicht. Seine Methode, um Zeit zu gewinnen: eine Anschlussausbildung wählen, die viele Möglichkeiten offenlässt, und schauen, was sich daraus ergibt. Nach dem Lehrabschluss wechselte er in die kaufmännische Richtung. «Wenn ich ganz ehrlich bin: ein Stück weit aus Bequemlichkeit. Mit meiner Detailhandelslehre und einem lehrbegleitenden Freifachmodul konnte ich prüfungsfrei in die kaufmännische BM2 einsteigen. Prüfungsfrei war für mich der bequemste Weg. Andere BM-Ausrichtungen hätten mich aber auch interessiert.»

Einfach bedeutete allerdings nicht mühelos. Zu Beginn der BM2 kämpfte Wetter mit gewissen Fächern und hatte zeitweise Zweifel, ob er es wirklich schaffen würde. Geblieben ist die Erkenntnis, dass die Übergänge oft die grösste Herausforderung sind. «Wenn der Wechsel geschafft ist, entwickelt sich eine Routine.»

Zwei Jahre gewinnen

Kaum hatte Wetter in der BM2 Tritt gefasst, stellte sich die erneut die Frage: Was folgt danach? Ein Fachhochschulstudium im Bereich Raumplanung oder Sozialer Arbeit? Beides konnte er sich vorstellen, doch festlegen wollte er sich noch nicht. Somit entschied er sich für die Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME) und studierte schliesslich Germanistik und Geschichte an der Universität Zürich.

Einen Fuss in der Arbeitswelt behielt Wetter während der gesamten Ausbildungszeit. Er gab Nachhilfe, arbeitete als Aussendienstmitarbeiter eines Sportgeräteherstellers, bei Orell Füssli und unterrichtete Deutsch für Fremdsprachige. Wetter brauchte die Arbeit als Ausgleich zum Lernen. «Mich interessiert vor allem, was ich mit dem Gelernten anfangen kann und wie daraus Handlung entsteht.»

Erfahrung weitergeben

Nach dem Studium arbeitete Wetter zunächst in der Kommunikationsabteilung eines Architekturbüros. Dann entdeckte er eine Stelle als Lehrer an dem Ort, an dem er 10 Jahre zuvor selbst die Schulbank gedrückt hatte: dem KV Zürich. Seit 2023 leitet er dort als Prorektor die Berufsmaturität. Dabei erachtet er es mitunter als seine Aufgabe, den Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten, die das Schweizer Bildungssystem bietet, aufzuzeigen. Schliesslich weiss er aus eigener Erfahrung: Eine Lehre mit anschliessender BM2 kann eine sehr gute Ausgangslage sein, wenn man später doch noch einen völlig anderen Weg einschlagen möchte.

Rückblickend sieht er weder einen spezifischen Abschluss noch seine heutige Position als Prorektor als grössten beruflichen Erfolg, sondern, «dass ich konstant keine Karriereplanung hatte und doch immer in eine Richtung gehen durfte, die mich interessierte. Anders gesagt: Ich war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort, der Rest war Glück.»

Autorin

Anina Rether, Journalistin und Senior Editor Corporate Publishing & Books bei Panta Rhei.