Ein halbes Jahr auf Stellensuche, ein paar Monate auf Reisen oder eine längere Abwesenheit aus Krankheitsgründen: All diese Ereignisse führen zu Lücken im Lebenslauf, die in einem Bewerbungsprozess die Aufmerksamkeit der Recruiter/innen wecken.

Längere Zeiten der Nichtbeschäftigung werfen in einem Bewerbungsprozess (leider) automatisch Fragen auf. Die Bewerbenden stehen unbegründet unter einer Art Generalverdacht, dass da etwas nicht stimmt und müssen eine «plausible» Begründung liefern. Noch immer betrachten viele HR-Abteilungen «Auszeiten», die über zwei Monate hinausgehen und sich nicht mit anderweitigen Verpflichtungen, Aus- und Weiterbildungen oder dergleichen begründen lassen, als Lücke im Lebenslauf. Solche Lücken werden fast ausschliesslich negativ bewertet. Damit diskriminieren HR-Fachleute Personen unbewusst, die nicht der «Norm» entsprechen. Als Norm gilt noch immer eine nahtlose Beschäftigung. Ein Ausstieg ‒ auch temporär ‒ weicht davon ab. Für Jobsuchende ohne Anstellung ist es nach wie vor schwierig, zu einem Interview eingeladen zu werden.

Die Zeiten ändern sich

In Zeiten höherer Arbeitslosigkeit stossen Menschen zudem auf Unverständnis, wenn sie den Mut aufbringen, einen Job ohne eine Anschlusslösung zu kündigen. Denn die Notwendigkeit einer sicheren Arbeitsstelle mit regelmässigem Einkommen ist in unserer Gesellschaft stark verankert. So erreicht die Angst vor Arbeitslosigkeit regelmässig einen der höchsten Werte im jährlich erhobenen Sorgenbarometer der Schweizer. Doch gerade in unserer VUCA*-Welt werden Brüche im Lebenslauf je länger je normaler. Die bisher geltenden Lebensphasen wie Ausbildung, Elternschaft etc. weichen immer mehr auf, die Berufslaufbahnen werden individueller und vielfältiger. Immer seltener bleibt man 30 Jahre lang im gleichen Beruf oder der gleichen Unternehmung. Flexibilität und Weiterentwicklung werden heute als selbstverständlich vorausgesetzt.

Rat an HR-Fachpersonen

Zeigen Sie als HR-Fachleute Mut zur Lücke! Und Mut für einen wertschätzenden und konstruktiven Umgang auf Arbeitgeberseite. Als HR können Sie so Solidarität mit den Kandidatinnen und Kandidaten zeigen, denn: Nicht jede Lücke ist gewollt. Manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Eine nahtlose Abfolge von Weiterbildungen und verschiedenen Stellen suggeriert, dass der oder die Bewerbende engagiert und motiviert ist. Doch allfällige Lücken können auch zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen. Allenfalls ist gerade ein Bruch der Übergang zu etwas Neuem. Denn in der Zeit der Nichtbeschäftigung macht die Person neue Erfahrungen. Vielleicht wird ein Lernprozess angestossen. Oder es werden neue Fähigkeiten entwickelt oder Erkenntnisse gewonnen, die in einem späteren Job eingebracht werden können.

Eine solche Perspektive und Herangehensweise brauchen auf Arbeitgeber-Seite vielleicht etwas mehr Zeit und Ressourcen. Doch dieser Einsatz lohnt sich längerfristig auf jeden Fall ‒ für die Menschen und die Organisation!

Und noch ein schöner Nebeneffekt, liebe HR-Leute: Aus dem Druck, einen lückenlosen CV zu präsentieren, wird dieser auf Hochglanz optimiert und sogar geschönt. Nachhaltiger ist eine aktive und eigenverantwortliche Laufbahngestaltung mit den dazugehörenden Weggabelungen oder Unterbrüchen!

Rat an die Bewerber:innen


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Wann ist eine Lücke eine Lücke?

Das verrät Ihnen der Blogbeitrag «Mind the Gap: Experten-Tipps für den Umgang mit Lücken im Lebenslauf».